IFRS 16 „Leases“ – IASB veröffentlicht neuen Standard zur Leasingbilanzierung

Nach langwierigen Diskussionen zwischen IASB und FASB sowie einem mehrjährigen Standardsetzungsprozess ist IFRS 16 „Leases“ am 13. Januar 2016 veröffentlicht worden. Laut Hans Hoogervorst, Chairman des IASB, sei damit die Leasingbilanzierung im 21. Jahrhundert angekommen (vgl. dazu die Presserklärung des IASB sowie das Video mit Hans Hoogervorst zur Vorstellung des Standards).

IFRS 16 „Leases“ ersetzt die bisherigen Regelungen des IAS 17 sowie dazugehörige Interpretationen. Erstmalig anzuwenden sind die neuen Regelungen auf Berichtsperioden, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen. Weitreichende Folgen treffen insbesondere Leasingnehmer, die künftig alle nicht-kurzfristigen Leasingverhältnisse in der Bilanz erfassen müssen. Die bisherige Unterscheidung zwischen bilanzwirksamem Finanzierungleasing und bilanzneutralem operativen Leasing bleibt nur noch für Leasinggeber bestehen. Beim Leasingnehmer greift nun der sog. right-of-use approach, wonach nicht mehr der geleaste Vermögenswert, sondern das Nutzungsrecht (und die korrespondierende Schuld) an diesem bilanziert wird. Dies gilt grds. für alle Leasingverhältnisse.
Das IASB hat in einer zudem veröffentlichten Wirkungsanalyse versucht, die Auswirkungen der Leasingbilanzreform auf die betroffenen Parteien zu skizzieren. Nicht zuletzt verleiht dies auch der lange geführten, kontroversen Diskussion über Kosten und Nutzen der Reform Ausdruck. Vgl. z.B. zur Beurteilung und zu den erwarteten Auswirkungen der Leasingbilanzreform aus Sicht der Praxis den Beitrag von Bausch/Fülbier in: Der Betrieb, 2015, Nr. 41, S. 2341-2348.

Die neue bilanzielle Abbildung von Leasingverhältnissen beim Leasingnehmer kann im Grundsatz bereits in unserem Lehrbuch „Internationale Rechnungslegung“, 9. Auflage, in Kapitel 19, S. 692 – 702 (Exkurs mit Beispiel) nachgelesen werden.

Für weitere Informationen:
Projekthomepage des IASB mit Zugang zu weiterführenden Dokumenten
IAS Plus von Deloitte

Ergänzung eines Unterabschnitts zu Ausleihungen und Forderungen

Leider ist bei der Erstellung der 9. Auflage des Buches ein Unterabschnitt verloren gegangen. In Kapitel 17 (Finanzinstrumente) fehlt auf S. 575 die Beschreibung der Kategorie Ausleihungen und Forderungen (loans and receivables) nach IAS 39. Wir danken einem aufmerksamen Leser für den entsprechenden Hinweis. Den fehlenden Unterabschnitt stellen wir hiermit als Ergänzung im PDF-Format zur Verfügung:

Ergänzung zu S. 575: Ausleihungen und Forderungen (loans and receivables)

Neuer Standard zur Ertragsrealisation veröffentlicht

Bereits seit dem Jahr 2002 befassten sich IASB und FASB gemeinsam mit der Überarbeitung der Regelungen zur Ertragsrealisation. Am 28. Mai 2014 veröffentlichten die Standardsetter nun den neuen Standard IFRS 15 “Erlöse aus Verträgen mit Kunden“. Dieser Standard ist auf Berichtsperioden anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2017 beginnen und ersetzt IAS 18 “Erlöse“, IAS 11 “Fertigungsaufträge“ sowie mehrere Interpretationen.

Einen Überblick über die sich aus IFRS 15 ergebenden Konsequenzen findet sich im Artikel “Geldeingang ist noch lange kein Umsatz“ von Georg Giersberg in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 30. Mai 2014 (S. 24). Weitere relevante Literatur, auch zu den dem Standard vorgegangenen Entwürfen, findet sich im Literaturverzeichnis des DRSC. Wertvolle Ressourcen zu IFRS 15 sind zudem die Projektwebsite des IASB sowie IAS Plus von Deloitte.

News zur Leasingbilanzreform: Halbe Rolle rückwärts

Aufgrund heftiger Kritik auch nach dem Re-Exposure ED/2013/6 liegt die endgültige Verabschiedung eines finalen Standards doch noch in weiter Ferne. Allerdings gibt es zwischenzeitich interessante Einblicke in die laufenden Diskussionen der Standardsetter. Ende März ist u.a. beschlossen worden

  • die Leasinggeberbilanzierung de facto wieder auf der alten IAS 17-Regel belassen zu wollen;
  • die Bilanzwirksamkeit der Leasingverhältnisse (right-of-use) beim Leasingnehmer im Prinzip beizubehalten, aber hier als IASB und FASB unterschiedliche Wege zu verfolgen (soviel zu einem „joint project“): Das IASB fokussiert nun auf die Typ-A-Vorgehensweise, das FASB will Typ B noch beibehalten, um das front loading eliminieren zu können (aber mit Friktionen dann an anderer Stelle),
  • keine laufende Überprüfung aller Annahmen mehr zu jedem Abschlussstichtag, sondern nur noch bei significant events and circumstances.

Mehr Information zum Projektstand auf der IASB-Homepage. Weitere Quellen:

 

Interessanter Artikel zum Rahmenkonzept

In der letzten Ausgabe von Abacus findet sich ein interessanter Artikel zu den konzeptionellen Fragen der internationalen Rechnungslegung. Besonders interessant ist die dort zusammengefasste Diskussion im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Rahmenkonzepts der IFRS. Dies ist der Link zum Artikel:

Günther Gebhardt, Araceli Mora und Alfred Wagenhofer (2014): Revisiting the Fundamental Concepts of IFRS. In: Abacus 50 (1): S. 107–116.

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IASB Talk zu dem Informationsverhalten von Kapitalgebern

Das IASB befasst sich mit dem Informationsverhalten seiner „User“. Am 21.01.14 diskutierten Stefano Cascino (LSE), Mark Clatworthy (Bristol University) und Joachim Gassen aktuelle Ergebnisse zu dem Informationsverhalten von Kapitalgebern mit den IASB und Mitgliedern des Staffs in London. Die Präsentation basierte auf einer aktuellen Studie mit dem Titel „The Use of Information by Capital Providers“  (weitere Autoren: Bea Garcia Osma, Shahed Imam and Thomas Jeanjean), die von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) und dem Institute of Chartered Accountants of Scotland (ICAS) ausgeschrieben und gesponsored wurde. Für Interessierte: Die Präsentation und die Diskussion kann via webcast abgerufen werden.

Artikel zur Bilanzierungspraxis börsennotierter IFRS Unternehmen

Ein interessanter Beitrag in Accounting, Oranizations and Society untersucht unter anderem systematisch die Bilanzierungspraxis von europäischen IFRS-Bilanzierern. Es wird deutlich, dass immer noch klare nationale Unterschiede in der Bilanzierung zu erkennen sind. Sehr lesenswert!

Nobes, C. and C. Stadler (2013): How arbitrary are international accounting classifications? Lessons from centuries of classifying in many disciplines, and experiments with IFRS data, Accounting, Organizations and Society (38:8), S. 573–595.

Bewegung bei IFRS 9

Das IASB hat am 19.11.2013 eine neue Teilveröffentlichung von IFRS 9 „Financial Instruments“ vorgenommen. Zentraler Bestandteil ist die Neuregelung der Sicherungsbilanzierung, wobei hierbei Probleme des Makrohedging weitestgehend ausgeschlossen wurden.

Des Weiteren hat sich das IASB in diesem Zusammenhang entschlossen, den Erstanwendungszeitpunkt von IFRS 9 bewusst offen zu lassen. Dieser soll erst festgesetzt werden, wenn IFRS 9 bis auf die Regeln zu Makrohedging, welche künftig als separates Projekt behandelt werden, abgeschlossen wurde. Aktuell stehen hierfür insbesondere noch die Vorschriften zu Wertminderung aus. Das IASB erwartet die Veröffentlichung des dementsprechenden Abschnitts von IFRS 9 im ersten oder zweiten Quartal 2014. Es werden noch Wetten angenommen, ob sich diese Einschätzung bewahrheiten wird.

Weitere Informationen: